Eine Nacherzählung von Jinsoyuns Geschichte von ihrer Kindheit bis heute.

ACHTUNG: Der folgende Artikel ist eine Zusammenfassung von Jinsoyuns Geschichte vor dem erneuten Zusammentreffen im Update Tag der Rache. Für alle, die die bisherige Handlung des Spiels noch nicht komplett durchgespielt haben, steckt der Text logischerweise voller Spoiler.

 

Das Erblühen der Schwarzrose

Der Tag, an dem Jinsoyun zum Himmlischen Heiligtum kam, wurde zum wichtigsten Tag in Grashüpfers Leben. Für Jinsoyun hingegen war es nur ein weiterer Schritt auf ihrem langen Weg zur Rache.

Jahrzehnte vor diesem schicksalhaften Tag war sie nur ein Kind im Hochlandreich gewesen. Sie hatte sich nicht entschieden, dort zu leben – sie war Sklavin einer reichen Familie in der königlichen Stadt. Wie zahllose andere fiel auch sie den dunklen Mächten zum Opfer, als das Tor zum Dunklen Reich geöffnet wurde. Es war Prinz Soguns Hochmut, der den Untergang des Hochlandreichs und seines Volkes heraufbeschworen hatte. Jinsoyun war mit Dunklem Chi vergiftet und nach dem dämonischen Ansturm verwundet. Zweifellos hätte sie diesen Tag nicht überlebt, wenn die Vier Großmeister nicht gewesen wären. Jiwan, eine der Vier und eine Yun wie Jinsoyun, zeigte sich dem jungen Mädchen gegenüber sehr gnädig. Sie teilte das göttliche Chi mit ihr und hielt die Dunkelheit zurück, die sie zu verschlingen drohte. Trotz der Einwände der anderen drei Großmeister würde Jiwan nicht zulassen, dass noch eine Unschuldige zu Tode käme. Sie nahm Jinsoyun als ihre Schülerin auf und zog sie wie eine eigene Tochter groß. Sie bildete sie dazu aus, eines Tages das Dunkle Chi zu überwinden, das noch in ihrer Seele verblieb.

Was seither geschah, ist der Welt nicht bekannt. Man munkelt jedoch im ganzen Reich, dass Jinsoyun Jiwan schließlich verraten hatte. Jinsoyun wandte sich gegen die gütige Großmeisterin, die sie gerettet hatte, und stahl die heilige Waffe ihrer Lehrerin: die Dämmerschneide. Den Gerüchten zufolge fiel ein Großmeister nach dem anderen, während die Dunkelheit Jinsoyun verzehrte. Erst Jiwan, verraten von derjenigen, die sie wie eine Tochter geliebt hatte. Dann Mushin und Iksanun, die beide schreckliche Hiebe erlitten und sie nur knapp überlebten. Jinsoyuns Blutrunst hätte ihre Schicksale besiegelt, wenn Meister Hong sie nicht bezwungen und die verräterische Schülerin niedergeschlagen hätte. Doch sie hatte bereits genug Schaden angerichtet. Jiwan war tot. Die verbleibenden Großmeister zogen sich in die Einsamkeit zurück, überwältigt von ihren Verletzungen und ihrer Trauer.

Doch mit dem Tod war es für Jinsoyun noch nicht vorbei. Das verdorbene Chi, das in ihrer Seele schwärte, rief nach dem Dunklen Reich, aus dem es stammte – und erhielt eine Antwort. Eine schreckliche Stimme sprach zu Jinsoyun. Sie machte ihr viele Versprechen für ihre Dienste. Die Stimme versprach ihr das Leben. Sie versprach ihr Macht.

Sie versprach ihr Rache.

Während sich die überlebenden Großmeister in die Abgeschiedenheit zurückzogen, erhob sich Jinsoyun erneut und war furchterregender denn je. Sie machte sich im aufstrebenden Talusreich schnell einen Namen und erschien in einer Zeit größter Not vor dem Kriegsrat. Dank ihrer mysteriösen dunklen Kräfte und ihrer beinahe unaufhaltsamen Kampfkünste wendete Jinsoyun im Alleingang das Blatt, sodass die Talus im Krieg siegten. Damit war ihr Name in den Annalen der Geschichte fest verankert. Man kannte sie unter vielen Namen: Herrin Schwarzrose, die Dunkle Botin, die Frau in Schwarz. Doch für die Anführer der Talus war sie eine bewiesene Heldin, und so genoss sie unvergleichlichen Respekt. Jinsoyun nutzte ihre Macht voll aus, um ihren ausgedehnten Racheplan zu beginnen. Sie brachte die Talus dazu, den Bau eines Altars des Göttlichen zu beginnen. Währenddessen sollte sie die verbleibenden Großmeister aufspüren und ihren Leben ein für alle Mal ein Ende setzen.

Meister Hong fiel Jinsoyuns Intrigen als Erster zum Opfer. Zusammen mit ihren listigen Handlangern Gubong, Yura und Lusung, allesamt Verräter an der Hongmoon-Schule, vernichtete Jinsoyun den gesamten Klan. Dabei diente all dies allein dem Zweck, die Dämmerschneide zu erlangen, welche Meister Hong all die Jahre lang verwahrt hatte. Von dort an gerieten die Räder immer schneller ins Rollen. Die Dunkle Botin marschierte strammen Schrittes voran und beugte das Talusreich ihrem Willen. Dem letzten verbleibenden Schüler der Hongmoon-Schule blieb nichts übrig, als ihr auf den Fersen zu bleiben, um zu versuchen, Rache zu üben und ihre finsteren Pläne zu durchkreuzen. Doch sie schien schier unaufhaltsam. Selbst Meister Iksanun fiel Jinsoyuns Intrigen zum Opfer. Namsoyoo, die sich als wahre Erbin des Kaisers der Talus herausgestellt hatte, wurde weggebracht und war unerreichbar. Die neu gebildeten Widerstandskämpfer der Himmlischen Zuflucht, die als Rebellen versuchten, Jinsoyun ihre Macht wieder zu entreißen, wurden zerschlagen. Yunwa, Mushins Erbe, stand unter Jinsoyuns Einfluss. Als es endlich zur Konfrontation zwischen dem letzten Schüler der Hongmoon und Jinsoyun kam, konnte er ihren verächtlichen Angriffen und ihrer Klinge nicht standhalten.

Jetzt steht die Welt auf Messers Schneide und kann jeden Moment ins Unheil gestürzt werden. Der Altar des Göttlichen Willens wurde fertiggestellt. Namsoyoo ist nach wie vor gefangen, denn für ein schreckliches Ritual wird königliches Blut gebraucht. Jinsoyun steht schließlich kurz davor, das gleiche Unglück zu wiederholen, das sie vor so vielen Jahren fast selbst das Leben gekostet hätte: das Dunkle Tor zu öffnen und das Dunkle Reich alles Leben verschlingen zu lassen. Schließlich wäre das ein gebührendes Ende für eine Welt, die sie als Sklavin aufwachsen ließ, die verhassten Vier Großmeister verehrt und sich in Gier und Kriegstreibertum verliert.

Es ist soweit: Jinsoyun kann endlich ihre wahre Rache vollziehen.